Europa schrumpft. Von den 27 EU-Staaten verzeichnen nur noch Irland, Luxemburg und Zypern ein natürliches Bevölkerungswachstum (mehr Geburten als Todesfälle). Alle anderen Länder sind auf Zuwanderung angewiesen, um ihre Bevölkerungszahl zu stabilisieren. Die demografische Uhr tickt — und die Daten zeigen ein dramatisch ungleiches Bild.
Die Geburtenrate: Europas größtes Tabu
Die zusammengefasste Geburtenziffer (TFR) liegt EU-weit bei 1,46 Kindern pro Frau (2024). Damit ist jedes Land unter dem Reproduktionsniveau von 2,1. Am niedrigsten: Malta (1,08), Spanien (1,12) und Italien (1,19). Am höchsten: Frankreich (1,68), Irland (1,65) und Schweden (1,58). Deutschland liegt bei 1,35 — leicht unter dem EU-Schnitt. Der Abwärtstrend beschleunigt sich seit 2020 in fast allen Ländern.
Geburtenraten in Europa — Ländervergleich 2024
Chart öffnenDer Altenquotient: Wer pflegt wen?
Der Altenquotient (Über-65-Jährige je 100 Personen im erwerbsfähigen Alter 20–64) ist der wichtigste Indikator für die Belastung der Sozialsysteme. EU-weit liegt er bei 37,5 (2024) — und wird bis 2030 auf 43,6 steigen. Spitzenreiter: Italien (41,2), Finnland (40,8) und Portugal (40,1). Deutschland liegt bei 38,4 und steuert auf 45,0 bis 2030 zu.
"Europa wird altern, bevor es reich wird. Im Gegensatz zu Japan oder Südkorea haben wir nicht die wirtschaftliche Basis, um diesen Übergang schmerzfrei zu gestalten." — Bruegel Policy Brief, März 2025
Migration: Der demografische Kompensationsmechanismus
Ohne Migration würde Deutschlands Bevölkerung bis 2030 um 4 bis 5 Millionen schrumpfen. Tatsächlich wuchs sie 2024 um +300.000 auf 84,8 Millionen — ausschließlich durch Zuwanderung. Die Nettozuwanderung lag 2024 bei ca. 680.000 Personen. Die Hauptherkunftsländer: Ukraine, Syrien, Türkei und Rumänien. Doch Integration dauert: Im Schnitt benötigen Zugewanderte 7 bis 10 Jahre, um das durchschnittliche Einkommensniveau der einheimischen Bevölkerung zu erreichen.
Bevölkerungsentwicklung Deutschland — Geburten vs. Migration
Chart öffnenGewinner und Verlierer bis 2030
- Gewinner: Irland (+8 % Wachstum durch junge Bevölkerung und Zuwanderung), Luxemburg (+6 %), Schweden (+3 %)
- Stabil: Frankreich (+1 %), Belgien (+0,5 %), Schweiz (+1,5 %)
- Verlierer: Bulgarien (−7 %), Kroatien (−5 %), Lettland (−6 %), Italien (−3 %)
- Deutschland: ca. −1 % ohne Migration, +0,5 % mit Migration
Bis 2030 wird Europas Gesamtbevölkerung leicht schrumpfen (−0,3 %). Die regionale Schere vergrößert sich: Während Metropolregionen wachsen, entvölkern sich ländliche Gebiete in Südeuropa und Osteuropa drastisch. Die EU wird wahrscheinlich ihre Einwanderungspolitik weiter liberalisieren müssen, um Arbeitskräfte zu gewinnen.
Lebenserwartung in Europa — Entwicklung und Prognose
Chart öffnenQuellen: Eurostat Population Projections 2025, Statistisches Bundesamt, INED (Institut National d'Études Démographiques), UN World Population Prospects 2024, Bruegel Think Tank.